Einer unserer Mitglieder hat bei RTL nachgehakt, wann sie selbst untertiteln. Die Antwort von RTL trudelte ein:
“Vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir freuen uns, dass Ihnen “Das Supertalent” so gut gefällt! RTLTelevision prüft derzeit die Einführung von Untertiteln im Programm.
Unsere Mitarbeiter testen aktuell noch diverse technische Standarts zur Umsetzung.
In Kürze planen wir jedoch die Realisierung. …
Bitte haben Sie noch etwas Geduld. Mit freundlichen Grüßen aus Köln. Pia Krug. Redakteurin – RTLTelevision.”
Im Zusammenhang mit Tobias Kramer beim RTL-Superstar schildert unsere Teamkollegin Judith Göller ihre Erfahrung wegen der fehlenden Untertitel:
Und mein Sohn ist leider ungeduldig… ich bat ihn, mir zu sagen, was der Dieter Bohlen zu Tobias Kramer sagte.
Zuerst übersetzte mir mein Sohn, und dann sagte er zu mir: „Ach, schalt doch Untertitel ein!“Ich sagte: „Da gibt’s kein Untertitel drauf zum Einschalten.“
Wenn jeder NUR an 10 Leute weiterleitet, um ernsthaft bei Aktion Untertitel mitzumachen, haben wir schnell viele Mitglieder und können mit Eurer Hilfe auch schneller vorantreiben!
Ein ganz besonderes Projekt startete am Wochenende im Hamburger Stadtteil St. Pauli: Dort machten Hip Hopper Alberto mit drei jungen Frauen gemeinsam Musik.
Das Besondere: Während der Beatboxer akkustisch den Rhythmus vorgab, gelang das Singen den drei Mädels ganz ohne Töne – denn sie sind gehörlos. Wie der Brückenschlag zwischen den zwei Welten genau aussah, und wie er sich vor allem anhörte, das zeigt unser Video.
In aller Ausführlichkeit gibt es hier den gesamten Text zum Beitrag zum Nachlesen:
In ihrer Welt gibt es keine Töne, keine Melodien und fast keine Lautsprache. Marlene, Asha und Louisa sind gehörlos, und trotzdem lieben sie Musik. Klänge können sie zwar nicht hören, aber sie spüren sie über die Vibration: Die jungen Frauen nehmen wahr, wenn der Boden unter ihnen mitschwingt – und erleben Konzerte so als eine ganzheitliche Erfahrung:
Asha Rajashekhar, seit ihrer Geburt gehörlos: “Was man auch vergleichen kann, ist die Startphase beim Flugzeug. Wenn kurz vor dem Abheben der Magen springt, und man es so ganzheitlich wahrnimmt.”
Diese ganzheitliche Erfahrung wollen die Hamburger Mädels heute gemeinsam mit Alberto machen. Der Beatboxer ist vor allem durch die RTL-Show “Das Super-Talent” bekannt geworden.
Das gemeinsame Ziel ist ehrgeizig: Nach nur zwei Trainingstagen soll eine Performance auf die Bühne gestellt werden, die Beatboxen und Gebärdensprache verbindet. Alberto ist schon im Vorprogramm von 50 Cent, Busta Rhymes, und Timberland aufgetreten. Doch bei dieser Nummer ist er unsicher…
Alberto, Beatboxer aus Hamburg: “Ich habe gedacht beim ersten Treffen: Ich kann halt keine Gebärdensprache. Wie muss ich mich verhalten? Ich wollte auch nicht das Gefühl geben, dass ich nicht mit ihnen sprechen will. Das waren so Sachen, bei denen ich dachte: Was kommt da jetzt auf mich zu? Neuland halt.”
Neuland ist es für alle vier Künstler und die Kommunikation bei den Proben braucht manchmal Unterstützung. Aber: Sie funktioniert!
Alberto: “Wenn es eine Stelle gibt, wo mehr Aktion ist, dann auch richtig übertrieben ausstrahlen, damit ich weiß, dass der Beat härter wird.”
In der Geschichte, die Marlene, Asha und Louisa auf der Bühne erzählen, geht es um Hamburg: Das schlechte Wetter, Party auf der Reeperbahn, die Kulturangebote und das, was die einzelnen Stadtteile ausmacht. Themen, die die jungen Frauen genau so bewegen, wie alle anderen Hamburger. In ihrem Alltag ist aber dennoch vieles anders und häufig schwieriger. Zum Beispiel, wenn sie Telefonieren oder Einkaufen wollen:
Marlene Bayer, von Geburt an gehörlos: “Wenn ich gefragt werde: Was hätten Sie gern? sage ich: Entschuldigung, ich kann nicht hören. Automatisch: Ach, schon in Ordnung! Und plötzlich sind alle Verkäufer weg. Das finde ich sehr schade. Ich hätte auch gerne mal ein Verkaufsgespräch. Die geben sich aber nur selten Mühe, mich zu beraten und sich Zeit zu nehmen.”
Deshalb – finden die Mädels – gehören Zettel und Stift in jede Handtasche. Zusammen mit dem Absehen von den Lippen und der Verbundenheit durch die Musik, können sie sich so auch ohne Dolmetscher mit Alberto verständigen.
Asha Rajashekhar: “Ich fühle mich ihm unheimlich nah. Obwohl wir nicht dasselbe Sprachsystem sprechen, fühle ich mich verbunden, weil er viele Elemente hat, die meine Sprache und mich ausmachen.”
Die Mädels zeigen Alberto die Gebärdensprache.
Bis zum Auftritt sind es jetzt nur noch wenige Stunden. Die Künstler gehen ihre Performance immer wieder durch. Das größte Problem für alle ist, konstant den richtigen Takt zu halten und wirklich in jeder Sekunde auf den anderen zu achten.
Louisa-Marie Pethke, wird das erste Mal auf einer Bühne gebärden: “Aber ich glaube heute wird es anders und besser, weil das Publikum da ist, und so was heizt ja auch an.”
Um 21 Uhr wird es dann ernst. Über 200 Menschen sind gespannt auf das bislang einmalige Projekt:
Befragung: “Sonst ist es ja so: Man sieht mal Gehörlose in der Bahn, hat aber nie so den Kontakt, weil die auch viel unter sich sind.” “Es wird sehr laut werden. Es wird viel Bass geben. Ich habe meine Ohrstöpsel dabei.”
“1,2,3,4… Konzert-Beginn…!”
Der Bass lässt den ganzen Körper vibrieren. In jeder Ecke wird gebärdet. Die Performance kommt an und wird verstanden – Von den Gehörlosen UND von den Hörenden!
Alberto, hofft auf eine Fortsetzung des Projekt: “Ich habe an der Reaktion der Zuschauer gemerkt, dass sie die Geschichte, die sie erzählt haben, interessant fanden und witzig. Es wurde auch ab und zu gelacht. Haben sie geil rüber gebracht!”
Die Welt von Marlene, Asha und Louisa ist ganz leise. Doch bei ihrem Konzert haben sie den Ton angegeben und gezeigt: Musik kann man nicht nur hören, sondern mit dem ganzen Körper spüren, und damit ist sie eine Art der Kommunikation, die jeder versteht.